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Fahrverbote vermeiden dank Diesel-Nachrüstung

Wie SCR-Systeme den Stickoxid-Ausstoß bei Euro-5-Wohnmobilen reduzieren

Von Fahrverboten in Umweltzonen sind auch Wohnmobile betroffen. Wer jedoch ein SCR-System nachrüstet, kann die Stickoxid-Emissionen auf Euro-6-Niveau senken und etwaige Fahrverbote trotz Euro-5-Motor vermeiden.


Table des matières


NOx-Emissionen senken und Fahrverbote umgehen

Spätestens seit Einführung der ersten Umweltzonen im Jahr 2008 gilt der Stickoxidausstoß als wichtige Messgröße bei Dieselmotoren. Da vor allem ältere Dieselfahrzeuge, aber auch Wohnmobile mit Euro-4- oder Euro-5-Motoren, weit mehr Stickoxide (NOx) ausstoßen, als es das Bundes-Immissionsschutzgesetz erlaubt, verhängen immer mehr Städte Fahrverbote. Nur Fahrzeuge, deren NOx-Emissionen unter 270 Milligramm pro Kilometer betragen, dürfen die sogenannten Umweltzonen befahren.

Für Euro-6-Diesel bedeutet das grundsätzlich freie Fahrt – doch auch ältere Wohnmobile können Fahrverboten entgegensteuern: Eine sogenannte Hardware-Nachrüstung kann den Ausstoß von Emissionen älterer Diesel optimieren. Möglich macht das die selektive katalytische Reduktion, kurz SCR. Hier erfährst du alles über das Abgas-Tuning mit AdBlue-Einspritzung.


Welche Anbieter ermöglichen die Hardwarenachrüstung?

Illustration technique : tuyaux et flexibles depuis la gauche (flèche verte) vers un élément cylindrique allongé avec sections internes et particules bleues ; pastilles rouges numérotées 1–7 indiquent plusieurs composants : boîtier noir avec logo HJS et écran bleu, petit boîtier argenté, appareil enroulé ; à droite légende avec cases numérotées colorées et tampon rouge 'PATENT'
Das Schaubild zeigt den Aufbau und die Funktionsweise des SCR-Systems aus dem Hause HJS. © HJS

Die Hardware-Nachrüstung mit einem SCR-Katalysator ist grundsätzlich bei Diesel-Fahrzeugen möglich, die von Werk ab die Euro-5-Norm erfüllen. Das betrifft hauptsächlich Fahrzeuge aus den Baujahren 2009 bis 2014.

Im Jahr 2019 erteilte das Kraftfahrbundesamt (KBA) erstmals zwei Herstellern eine Allgemeine Betriebserlaubnis (ABE) zur Nachrüstung von Diesel-Fahrzeugen. 

  • Das Unternehmen Dr. Pley darf Fahrzeuge der Marken BMW, Mercedes und Volvo umrüsten, allerdings wurde das Angebot mittlerweile eingestellt.
  • Die inzwischen aufgelöste Firma Twintec Baumot erhielt die Genehmigung zur Nachrüstung an Pkw des VW-Konzerns (u. a. Audi, Seat, Škoda und VW).

Aktuell (Stand Mai 2025) gibt es für Pkw keine Nachrüst-Angebote mehr, was wohl der gesunkenen Nachfrage geschuldet ist – schließlich wurde Euro 6 bereits ab 2014 eingeführt.

Für Camper interessant sind die serienreifen Nachrüstsysteme von HJS. Das Unternehmen aus Menden im Sauerland bietet (Stand Mai 2025) SCR-Systeme für mehrere Nutzfahrzeuge an, darunter Fiat Ducato, Mercedes Sprinter sowie die VW-Modelle Crafter und T5 – um nur einige zu nennen.



Beeinflussen SCR-Systeme die Euro-Norm?

Nein. Im allgemeinen Sprachgebrauch ist von einer „Umrüstung auf Euro 6“ die Rede. Tatsächlich ändert sich die offizielle Einstufung der Emissionsklasse jedoch nicht, wenn ein SCR-Katalysator nachgerüstet wird. Der nachgerüstete SCR-Katalysator reduziert zwar die Stickoxide auf das Maß der Euro-6-Norm (oder besser), für eine offizielle Neueinstufung nach dem Emissionskatalog wären jedoch noch weitere Parameter entscheidend. 

Nach erfolgreicher Umrüstung erhält die Zulassungsbescheinigung Teil 1 (Fahrzeugschein) folgende Bemerkung in Feld 22:

„NOxMS-H-schwer mit erh. Minderungsleistung, (Typ der Hardware), KBA (ABE-Nr. eingetragen) ab (Einbaudatum eingetragen)“

Dieser Zusatz gilt als Nachweis für die Nachrüstung und den daraus folgenden verringerten NOx-Ausstoß. Die Plakette an der Frontscheibe bleibt hingegen unverändert. Daher verlangt die Polizei bei Kontrollen in Fahrverbotszonen in der Regel den Fahrzeugschein.


Was nützt die Nachrüstung eines SCR-Katalysators?

Euro-5-Fahrzeuge mit SCR-System können von Fahrverboten befreit – und Städtetouren auch mit älteren Wohnmobilen weiterhin möglich – sein. Die Befreiung von Fahrverboten gilt aktuell allerdings nur in Deutschland. Solltest du in einem anderen Land auf eine Umweltzone stoßen, die nur Euro-6-Diesel (oder besser) zulässt, darfst du diese mit einem nachgerüsteten Euro-5-Diesel grundsätzlich nicht befahren. Hierfür müssten die jeweiligen Länder ihre nationalen Vorschriften anpassen.


Gibt es Nachteile durch die Diesel-Nachrüstung?

Generell lässt sich sagen: SCR-System können den Treibstoffverbrauch erhöhen – mehr oder weniger spürbar. Laut Nachrüstrichtlinie darf der Mehrverbrauch höchstens sechs Prozent betragen. Dennoch liegen einige vom ADAC getestete SCR-Systeme über dieser Grenze, auch der CO₂-Ausstoß liege teils deutlich über dem Niveau der Serienkonfiguration, so der Automobilclub.

Weniger ins Gewicht fällt das Mehrgewicht von rund 25 Kilo, das sich aus den Komponenten des SCR-Systems sowie dem Inhalt des AdBlue-Tanks zusammensetzt. 

Unverändert bleibt die Kfz-Steuer, denn diese wird durch die NOx-Emission nicht beeinflusst, sondern richtet sich nach entsprechenden CO₂-Werten.


Gibt es Förderungen für die SCR-Nachrüstung?

Wohnmobilbesitzer müssen die Kosten in der Regel selbst tragen. Für gewerblich genutzte Fahrzeuge (Handwerker und Lieferanten) gab es zwischenzeitlich eine staatliche Förderung, die jedoch inzwischen abgelaufen ist. Lediglich Mercedes und VW gewähren privaten Fahrzeugbesitzern unter bestimmten Voraussetzungen einen Zuschuss von bis zu 3.000 Euro.



Warum wird die Wirksamkeit von SCR-Systemen unterschiedlich beziffert?

In Produktkatalogen und Testberichten wird die Reduktion des NOx-Ausstoßes durch SCR-Systeme häufig in Prozent angegeben – teilweise mit deutlichen Unterschieden je nach Quelle. Entscheidend ist jedoch die Allgemeine Betriebserlaubnis (ABE): Ist das Nachrüstsystem vom Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) zugelassen, gilt es als gesetzlich anerkannt. Bei ordnungsgemäßem Einbau schützt ein solches System vor städtischen Fahrverboten – vorausgesetzt, das Fahrzeug erfüllt nachweislich den Grenzwert von 270 mg NOx pro Kilometer.

Wie kommt es aber zu den abweichenden Werten im Realbetrieb? Der ADAC hat im Rahmen eines Dauertests detailliert gezeigt, dass die Umgebungstemperatur in Bezug auf die unterschiedlichen Jahreszeiten entscheidenden Einfluss auf den NOx-Ausstoß hat. Im Test lagen die serienmäßigen Emissionen im Winter höher als die im Sommer gemessenen Werte. Entsprechend fielen auch die Ergebnisse mit Abgasreinigung höher aus. Somit kann es sein, dass die Hersteller mit den geringstmöglichen Werten werben, während in Presseberichten möglicherweise Mittelwerte herangezogen werden.


Fazit: Investition für die Zukunft?

Durch die SCR-Nachrüstung bleibst du mit einem Euro-5-Wohnmobil grundsätzlich auch in Fahrverbotszonen mobil. Außerdem wirkt sich ein nachgerüstetes SCR-System im Regelfall positiv auf den Wiederverkaufswert deines Euro-5-Wohnmobils aus. Der finanzielle Aufwand von über 7.000 Euro ist allerdings nicht gering. Solltest du mit dem Gedanken einer Nachrüstung spielen, so solltest du in jedem Fall abwägen, ob sich das Diesel-Upgrade im Verhältnis zum Restwert deines Fahrzeugs lohnt.

Beachte allerdings, dass du mit einem SCR-Katalysator nicht automatisch in allen Umwelt- und Fahrverbotszonen freie Fahrt hast, denn für einzelne Streckenabschnitte kann es – je nach kommunaler Vorgabe – gesonderte Ausnahmen geben. Zusätzlich kann es auch künftig der Fall sein, dass die Vorgaben für Umwelt- und Fahrverbotszonen weiter verschärft werden und beispielsweise nur noch Dieselfahrzeuge höheren Euro-Normen als Euro 5 zulassen.

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